Werkstätten und Abschlüsse

Die Werkstücke sind anspruchsvoll.

In der Metallwerkstatt reicht die Palette von Dreh- und Frästeilen (manuell wie auch mit CNC-Technik gefertigt) bis hin zu kleinen Schweiß- und Baugruppen. Es werden auch Komponenten gefertigt, die in hohen und wiederkehrenden Stückzahlen für verschiedene Industriebetriebe gefertigt und in Geräte eingebaut werden. Der mögliche Abschluss ist der Industriemechaniker, Fachrichtung Produktionstechnik.

In der Elektrowerkstatt haben sich Schaltschränke, aber auch [Bühnenbeleuchtungen und Schaltpulte vor allem für Schulen] (Bitte Ersatz benennen)bewährt. Am Ende der Ausbildung kann der Elektriker für Geräte und Systeme den Abschluss bilden.

In der Holzwerkstatt gehören zur Standardfertigung Kindergarten- und Schulmöbel.
Willkommen sind den Schülern vor allem individuelle Wünsche von Kunden, die ein originelles Möbel bestellen.
Dass die Gewinnung von Kunden, die dem Werkstattprofil angemessene Aufträge geben, nicht immer einfach ist, versteht sich von selbst. Hier ist hohe Professionalität nötig. Die Schüler lernen an dieser Stelle, besonders im dritten Lehrjahr, die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge an der Praxis des eigenen Betriebs kennen. Der Auszubildende kann die Ausbilgundszeit als Tischler beenden.

Seit 1969 werden Schülern ab der 10. Klasse in der Metallwerkstatt neben allen schulischen, auch die beruflichen Abschlüsse angeboten. Später kamen eine Elektro- und eine Holzwerkstatt dazu.

Die Oberstufenschüler haben die Möglichkeit, in den drei Werkstätten Ausbildungen zu durchlaufen, die mit dem Facharbeiter- oder dem Gesellenbrief abschließen. Anschließend legen sie bei entsprechender Qualifikation das Abitur ab. Die Schüler, die parallel zur Schule ihre berufliche Ausbildung durchlaufen, werden von Meistern und eigenen Fachkundelehrern begleitet.

Bis zur 11. Klasse wird Wert auf den Erhalt des Klassenverbands gelegt (gemeinsamer Hauptunterricht, ausgewählte Fachunterrichte, Feldmesspraktikum).
Gleichzeitig spezialisieren sich die Schüler in den Werkstätten. Die enge Verzahnung der beiden Ausbildungsstränge ist nicht reibungslos und erfordert die volle Aufmerksamkeit der begleitenden Lehrer.
Dieser besondere Aufwand und die Verzögerung des schulischen Abschlusses um ein Jahr haben sich bewährt. Es zeigt, dass Schüler, die die Werkstatt-Ausbildung durchlaufen und ihr zwölftes Schuljahr beendet haben, über gewisse praktische Erfahrungen beim Lösen von Problemen verfügen und ihre Arbeit strukturieren können. Sie sind aber auch nach der Lehrzeit aufgrund ihrer natürlichen Reife in der 12. und 13. Klasse in der Lage, die behandelten Fragen effektiv anzugehen und durch die gewachsene Fähigkeit zum kritischen Denken, im Unterricht interessante Aspekte beizusteuern. Auch die Qualität der schulischen Abschlüsse zeugt von der gewachsenen Reife solcher Schüler.

Eine Generation trägt die nächste

Durch das Lernen an realen Aufträgen wird die Finanzierung der Werkstätten unterstützt. Ergänzend arbeiten angestellte Facharbeiter mit, die solche Aufträge übernehmen, die Schüler noch überfordern. Zugleich werden die Schüler im dritten Lehrjahr von diesen Facharbeitern zur Ausführung der Aufträge herangezogen.

Eine Schwierigkeit ist immer wieder, den Schülern die finanzielle Struktur der Schule und des Berufsbildenden Gemeinschaftswerkes zu verdeutlichen. Im politikwissenschaftlichen Unterricht wird der Gedanke des Generationenvertrags diskutiert. Es gilt, die Schüler zu überzeugen, dass ihre eigene gute Ausbildung auf dem sorgfältigen Arbeiten der vorangegangenen Lehrjahre beruht, die durch die Marktfähigkeit ihrer Produkte die finanzielle Grundlage für die künftigen Lehrlinge sichern. Haben sie das verstanden, sind sie bereit, ihren Teil zur Zukunft beizutragen.

Es muss nicht weiter betont werden, dass diese »Doppelqualifikation« nicht auf die Festlegung einer Karriere im Ausbildungsberuf zielt. Die wenigsten Schüler streben so etwas an; sie gehen schließlich andere berufliche Wege. Das Anliegen des Kasseler Modells ist vielmehr, die Möglichkeiten der beruflichen Bildung für die allgemeine Menschenbildung ebenso zu nutzen wie die schulische. Die Tragfähigkeit der »Doppelqualifikation« zeigt sich in späterer souveräner Lebensgestaltung, wie sie die moderne Zeit erfordert.