Mit Gründung des ‚Berufsbildenden Gemeinschaftswerk Kassel‘ wurde der Kasseler Waldorfschule vor 50 Jahren der schulischen Bildung der Oberstufe eine weitere, nämlich die berufliche Bildung zur Seite gestellt.

Überlegungen, die zur Ausgestaltung der Fächer der schulischen Bildung beitrugen, flossen dabei auch in die Ausarbeitung des Ausbildungskonzeptes ein. 

Dieser Ansatz wird auch heute weiter verfolgt.

Im Vordergrund steht die Herausforderung, die Arbeiten des Auszubildenden möglichst unmittelbar dem Kunden zur weiteren Nutzung zuzuführen. Reine Lehrarbeitern, die entweder im Anschluss entsorgt oder wieder demontiert werden, stellen die Ausnahme dar, wenn z.B. spezifische Lehrinhalte nicht anders vermittelt werden können. 

Dadurch ist es möglich, die Sinnhaftigkeit der Tätigkeiten konkret in einem größeren Zusammenhang erlebbar zu gestalten.

Der Maßstab, an dem das Ergebnis einer Arbeit gemessen wird, ist, anders als in der Schule, die Anforderung, die sich durch die jeweilige Nutzung ergibt. 

Wird z.B. ein Maß mit der Schieblehre geprüft, und weicht das Ergebnis um mehr als die zulässige Toleranz ab, gibt es keinen Spielraum für eine Diskussion: das Teil kann in der Form nicht verwendet werden!

Dieses Beispiel aus dem Metallbereich ist im Prinzip in allen Werkstätten gültig: nicht die vielleicht als subjektiv empfundene Resonanz durch einen Lehrer oder durch einen Meister ist maßgeblich, sondern die objektive, von dem Auszubildenden nachvollziehbare Prüfung an Hand der Vorgaben eines greifbaren Nutzers (Kunden) ist Maß der Dinge.

Ein weiterer Aspekt der Arbeiten für unterschiedliche Kundenbedürfnisse oder Anwendungen ist, dass vielfältige Zusammenhänge aus der Lebenspraxis oder aus der Industrie an den Auszubildenden herangetragen werden können. Es besteht somit die Möglichkeit, einiges der uns umgebenden und an Komplexität zunehmenden Welt durchschaubar zu erhalten.

Auch die Inhalte der Ausbildung führen von der manuellen Arbeit mit ihren sichtbaren Arbeitsschritten hin zu dem Verständnis oder sogar Beherrschung von Technologien, die das Gedankengut des Menschen im Verborgenen in sichtbare Abläufe wandelt (CNC Drehen & Fräsen verschiedener Werkstoffe bzw. Steuerungen von Haustechnik und Produktionsprozessen). Es wird an einzelnen Elementen erlebt, dass moderne Technik beherrschbar ist und nicht umgekehrt.

Wirtschaftliche Umstände, in denen der Auszubildende eingebunden ist, werden in einem zunehmendem Umfang thematisiert. Über den Zeitraum der Ausbildung und in Verbindung mit Themen, die in der Schule behandelt werden, gewinnen die konkreten soziale Zusammenhänge auf diese Art und Weise an Transparenz.

Eine zunehmende Spezialisierung und Technisierung wird gegenwärtig als die große Herausforderung erlebt, dieses in der Region einzigartige Konzept aufrecht zu erhalten. Es gilt, auch künftig den Weg über das Werk der Hand zu der automatisierten Fertigung / Produktion für den heranwachsenden Menschen nachvollziehbar zu gestalten.

Etwas aus der Vergangenheit:

Beispiele der Ausbildungsschritte:

Werkstattübergreifende Lösungen: